Leichtes und lärmarmes Güterwagen-Drehgestell (LEILA-DG)

Autoren:
A. Schirmer + J. Keudel

aktueller Ansprechpartner:
Prof. Dr.-Ing. Markus Hecht
TU Berlin · Fachgebiet Schienenfahrzeuge
Sekr. SG14 · Salzufer 17-19 · D-10587 Berlin

Tel.: +49-30-314 25150
Fax: +49-30-314 22529
email: markus.hecht(at)tu-berlin.de

Konzept und Ziele

Eine vom Bundesministerium für Verkehr Bau- und Wohnungswesen (BMVBW) in Auftrag gegebene Verkehrsprognose sagt einen Anstieg der Gütertransportarbeit in Deutschland um 63 % bis zum Jahr 2015 voraus. Es ist das Ziel der Bundesregierung, in dieser Zeitspanne den Güterverkehr auf der Schiene gegenüber heute zu verdoppeln, um auch den Modal Split zugunsten der Bahn zu verändern. Der Europäischen Union zufolge soll der Schienengüterverkehr bis zum Jahr 2020 etwa verdreifacht werden und der Marktanteil von 8 %, das sind 241 Mrd. tkm (1998) auf 15 % gleich 784 Mrd. tkm (2020) steigen. Dies ist jedoch kein Automatismus. In den letzen Jahren stagnierte der Marktanteil der Schiene und eine Trendwende zeichnet sich nicht ab.

Von Seiten der Forschungspolitik, national und EU-weit, werden deshalb diverse Unterstützungsprogramme angeboten. Eines ist der Projektrahmen „Auf dem Weg zur Minimalemission“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF), Berlin und Bonn, in dessen Rahmen das Projekt „Leichtes und lärmarmes Güterwagendrehgestell (LEILA-DG)“ gefördert wird.

Um einen Großteil des prognostizierten Mehrverkehrs auf die Schiene lenken zu können, sind von Grund auf neue Güterwagen-Drehgestelle notwendig, die

als die heutigen sind (Bild 1).

Das Konzept des Projekts LEILA-DG

Bild 1: Das Konzept des Projekts LEILA-DG

Der Schienengüterverkehr muss leiser werden! Güter werden auf der Schiene vorwiegend nachts transportiert. Der Mehrverkehr wird sich somit in diesem geräuschsensiblen Zeitbereich auswirken. Mit dem maximalen Schalldruckpegel heutiger Drehgestelle von 96 dB(A) bei 80 km/h und in 7,5 m Querabstand wird dies zu weiteren Widerständen in der Bevölkerung führen.

Der Schienengüterverkehr muss attraktiver und produktiver werden! Es müssen die Transportkosten verringert und die Attraktivität des Schienengüterverkehrs erhöht werden, um eine echte Alternative zum Straßenverkehr darstellen zu können. Im Einzelwagenverkehr werden heute durchschnittliche Transportgeschwindigkeiten ab 8 km/h realisiert, was u.a. auf den geringen Automatisierungsgrad beim Rangieren bzw. der Zugbildung zurückzuführen ist. Güterwagen müssen im Schnitt zweimal pro Jahr außerplanmäßig eine Werkstatt aufsuchen. Zugleich gestattet der Leichtbau bei modernen Fahrwerken, die Nutzlast zu erhöhen, während heutige Güterwagen-Drehgestelle mit einem Gewicht von 4,7 bis 5,4 t auf ein großes Einsparpotenzial hinweisen. Der Schlüssel zur Lösung dieser Probleme des Schienengüterverkehrs liegt im Drehgestell. Ein entsprechend innovatives Produkt soll im Projekt LEILA-DG entwickelt werden.

Schallpegelreduzierende Maßnahmen dürfen nicht zu einer Erhöhung der Lebensdauerkosten (LCC) führen. Die leise Technologie wäre sonst unverkäuflich. Die produktivitätssteigernden Innovationen müssen daher das Gesamtprodukt LEILA-DG mit kurzen Amortisationszeiten marktfähig machen.

Durch das Projekt sollen folgende Ziele erreicht werden:

Bild 2: Präsentation des ersten LEILA auf der InnoTrans 2004

Der erste Prototyp des LEILA wurde im September 2004 auf der InnoTrans feierlich enthüllt und der Weltöffentlichkeit vorgestellt (s. Bild 2). Nach der Komplettierung eines vollständigen Güterwagens wird das LEILA dann im nächsten Projektschritt in die Zulassungsversuche gehen. Anschließend ist ein Probebetrieb bei der Hupac vorgesehen, bei dem das LEILA-Konzept durch ein enges Monitoring relevanter Kenngrößen am weit verbreiteten Standard-Drehgestell Y25 gemessen wird.

Projektteilnehmer

Nachstehend sind die teilnehmenden Firmen und Institutionen sowie deren Aufgabenbereiche aufgeführt:


© TU Berlin • FG Schienenfahrzeuge • 11.2004